DU SEHNST DICH NACH RUHE? – vollständiger Text
„Aah, endlich für mich allein!“
„Aaah, endlich Wochenende!“
„Aaaah, endlich Urlaub!“
Wie groß war jedes Mal die Vorfreude und wie schön, wenn der Moment endlich da ist.
Kurzes Aufatmen, genießen, runterfahren und still werden.
Doch dann….verändert es sich.
Der Kopf rattert los. Das altbekannte Kopfkarussell beginnt sich zu drehen…
Gedanken, die ich gar nicht haben will.
Emotionen, die ich nicht fühlen will.
Bilder, die ich nicht sehen will.
Und dann halte ich es nicht mehr aus und suche Ablenkung.
Beginne wieder, diese Stille zu meiden und verliere mich in…
Arbeit, Aufräumen, Putzen, alte Listen abarbeiten, jemanden anrufen, irgendwo hinfahren, shoppen gehen. Oder die Ablenkung von außen kommt zufällig wie gerufen, denn…
das Telefon klingelt. Die Nachbarin steht vor der Tür. Da braucht jemand Hilfe. Der Hund kotzt auf den Teppich. Der Kater kommt verletzt nach Hause. Die Waschmaschine ist plötzlich defekt.
Lauter solcher Dinge, die mir spiegeln:
Es ist was los! Und zu dem Schluss zu kommen: Tja, es gibt keine Erholung für mich. Immer ist was! Ich komme einfach nicht zur Ruhe.
Kennst du das auch?
Ja, es ist was los! Aber nicht nur im Außen, sondern in mir drin.
Doch ich erkenne es nicht und finde mich stattdessen im Opfermodus wieder mit der Frage: „Warum passiert das immer mir? Warum immer ich?“
Wenn ich heute zurück blicke auf diese Zeit, in der es für mich genau so war, weiß ich, was mir damals gefehlt hat.
Mir fehlte das Bewusstsein über den direkten Bezug meiner Innenwelt zur Außenwelt. Mir fehlte zudem das Herzbewusstsein, denn ich war permanent im Kopfmodus gefangen.
Und der hätte es sowieso nicht für möglich gehalten, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen dem klingelnden Telefon, dem kotzenden Hund und meiner unaufgeräumten Innenwelt.
(Ich sage damit nicht, dass jeder kotzende Hund ein Zeichen dafür ist, dass es bei dir nicht aufgeräumt ist ;-))
Und ich weiß heute, dass es verdammt schwer ist, das zu erkennen, es zu glauben und auch zu fühlen, dass alles Äußere mit mir selbst zu tun hat, weil ich es unbewusst mit kreiere.
Wenn im Außen alles tutti, alles bueno, alles schön ist, ja dann kann ich es leicht annehmen.
Aber, wenn der Verkäufer unverschämt schief guckt, dein erwachsenes Kind dich plötzlich aufs Übelste beschimpft, der unverschämte Raser mir die Vorfahrt nimmt, die Polizei mich ausgerechnet jetzt erwischt, wo ich unangeschnallt mit den letzten Kröten in der Tasche auf dem kurzen Weg zum nächsten Supermarkt unterwegs war, mir `nen Strafzettel ausstellt und mir das Gefühl gibt: Die ganze Welt ist ungerecht und gegen mich.
Dann ist es wahrhaftig schwer zu glauben, dass das alles auch mit mir selbst zu tun haben soll. Dass ich diese Situationen in mein Leben gezogen haben soll.
Doch ich habe mich gefragt, was würde ich, die von heute mir selbst, dem Ich von damals mit auf den Weg geben?
„All die schmerzlichen Erfahrungen liefern dir Erkenntnisprozesse, wenn du bereit bist, die Zusammenhänge zu sehen. Sei dir gewiss, dass es mit dir zu tun hat, auch wenn du es nicht erkennen kannst. Der verletzte, schmerzende Teil ist nicht dein Herz, dein wahrer Kern, sondern im Kopf, in der Persönlichkeit, in deinem Unterbewusstsein gespeichert wie eine Datei auf der Festplatte.
Lerne Kopf und Herz zu unterscheiden und trainiere jeden Tag, mehr zu fühlen und weniger zu denken. Lerne, zu unterscheiden, wann dein Kopf spricht und nimm diese Kopfgeschichten nicht mehr ernst. Verbinde dich mehr mit deinem Herzen, deinem Inneren, deiner Seele, deinem zeitlosen Sein, das all die Zusammenhänge neutral wahrnehmen kann.
Geh’ nicht in den Widerstand, wenn es unangenehm wird. Schau es an. Beobachte, fühle da hindurch, lenke dich nicht ab. Akzeptiere, was ist.
Wisse, nichts geschieht zufällig. Wisse, das Leben ist nicht gegen dich.
Triff keine Entscheidungen aus Frust, Trauer, Mangel, Wut. Triff mehr und mehr Entscheidungen aus deiner ruhigen Mitte aus dem Herzen heraus.
Wisse, dass unangenehme Emotionen sich dir nicht zeigen, weil sie dich ärgern wollen, sondern weil sie dir zurufen: Hier bin ich, schau hin, heile deine Themen. Verdränge es nicht länger.
Wisse, dass du, egal wie mies und klein du dich fühlst, nicht wirklich so bist, sondern dass dieses Befinden in einem Teil in dir nur das Ergebnis dieses infiltrierten kranken Systems und all deiner schmerzlichen Erfahrungen ist.
Hab den Mut, in der nächsten herausfordernden Situation dir selbst zu sagen: Ich sehe, fühle, was das mit mir macht, ich beobachte meine Emotionen, ich bin bereit, die Verantwortung für meine Emotionen zu übernehmen. Niemand und nichts im Außen hat Schuld. Ich kann es verändern. Ich bin bereit, es zu erkennen und ich verändere es.
Wisse: Du bist ein unendliches, wundervolles, wertvolles und mächtiges Wesen, das jetzt, in diesem Moment in dieser Realität die Möglichkeit hat, sich wieder zu erkennen, als der oder die, der oder die du bist. Hab dich lieb. Liebe dich, genau so, wie du bist.
Das ist der Schlüssel, der mir damals auch so sehr gefehlt hat. Ich konnte mich selbst nicht lieben. Ich konnte meine Themen in all den Lektionen, die mir das Außen gespiegelt hat, lange nicht erkennen.
Und wäre ich mir in der Vergangenheit begegnet und hätte mir diese Worte gesagt, ich weiß nicht, ob mir diese Erkenntnisse geholfen hätten, es schneller zu begreifen und schneller meinen Frieden zu finden. Vielleicht habe ich genau diese Zeit gebraucht, die es brauchte. Und darum ist alles gut, wie es jetzt ist. Der JETZT-Moment ist immer der, der die Akzeptanz braucht, damit das Leben weiter fließen kann.
Erinnere dich: Es gibt viel mehr zu erkennen und zu entdecken als dein Kopf denkt.
Ich umarme dich
deine Olivia
