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FREIHEIT SCHMECKT BESSER ALS JEDE MAHLZEIT

Von Olivia Sonnig · Lesen: ca. 8 Min. · Anhören

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Titelbild: FREIHEIT SCHMECKT BESSER ALS JEDE MAHLZEIT

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FREIHEIT SCHMECKT BESSER ALS JEDE MAHLZEIT – vollständiger Text

Wow, es ging immer nur ums Essen, dachte ich, als ich mich auf den Baumstumpf setzte und an der Trinkflasche nippte. Ich blickte einige Jahre zurück und erkannte diesen roten Faden, der sich durch mein Leben zog.

Warum fiel mir das gerade ein? Weil ich heute so anders lebe und so viel Zeit habe. So viel mehr Zeit für andere Dinge als ans Essen zu denken und Essen zuzubereiten, darüber nachzudenken, was ich heute koche und zu überlegen, was ich dafür einkaufen muss. Das war in meinem früheren Leben Tag für Tag dasselbe Prozedere.

Aber nicht nur das. Ok, damals wollte ich die beste Frau und Mutter sein, die es auf diesem Planeten gibt. Ich kochte wirklich gut. Und bekanntlich geht die Liebe ja durch den Magen. Damals noch nicht so gesund wie heute, weil mir das Bewusstsein fehlte. Aber es schmeckte vorzüglich. Ich nahm nichts aus der Dose. Immer frisches Gemüse oder Salat.

Wenn ich Gäste hatte oder eine Party bei uns anstand, kamen sie immer alle gerne, unter anderem auch, weil ich so gut für das leibliche Wohl sorgte. Es war immer mehr da, als genug.

Aber woher kam das? Erst heute, viele Jahre später frage ich mich, ob ich da einem Programm gefolgt bin, einem, das ich vielleicht aus der Ahnenreihe übernommen habe, ohne es zu merken?

Warum war mir das Essen so wichtig? Ich weiß es tatsächlich nicht und habe gerade die Idee, da einmal spielerisch nachzuforschen. Eine Sache ist mir allerdings bewusst: Essen war für mich oft ein Ersatz für Liebe und Geborgenheit.

Ich war oft genervt. Mir ging diese immer gleiche Frage oft wirklich auf den Geist. Ich hatte ständig das Gefühl, keine Zeit für andere Dinge zu haben. „Oh, noch zwei Stunden, dann muss ich meinen Sohn vom Kindergarten abholen.“ Dann muss das Essen fertig sein. Was koche ich denn heute? Mein Mann kommt gleich heim, dann soll das Essen fertig sein. Ich entwarf sogar einen Wochenplan, damit ich nur einmal in der Woche darüber nachdenken muss, was ich koche und möglichst schon alle Zutaten im Kühlschrank hatte.

Ich war oft genervt, weil ich, wenn Gäste kamen, auch für diese da sein wollte. Darum war das Essen natürlich schon fertig oder so gut vorbereitet, dass die Zutaten schon alle bereit standen, um nur noch vermengt zu werden. Die Perfektionistin war da natürlich mit am Start.

Ich habe mich manchmal gefragt, wie machen das andere Frauen? Und oft sah ich, dass andere sich weniger intensiv damit befasst haben. Es war für sie nicht so wichtig. Da gab es aber auch nicht immer so das gute Essen, man bestellte sich öfter was oder man wartete als Gast, bis das Essen endlich zubereitet war. Ja, endlich...diese Warterei fiel mir oft schwer. Vor allem, wenn ich dachte: Ich will was essen!

Wenn ich hungrig war, musste ich sofort etwas zu essen haben. Hungrig bedeutete: Wenn mein Magen knurrt. Dann war ich schon als Kind schlecht gelaunt. Und ich liebte es, mit vollem Magen abends müde ins Bett zu fallen.

Zum Beispiel, wenn meine Eltern mit uns über die Grenze nach Holland zum Chinesen fuhren. Das war immer ein Highlight für mich. Das schmeckte mir alles so gut. Ich aß, bis der Hosenknopf die Lasche nicht mehr halten konnte und starrte dann nur noch satt und wie benebelt auf das schöne große Aquarium mit den bunten Fischen darin.

Ich war auch ein Verfechter von gutem Frühstück, bevor ich aus dem Haus ging. Dasselbe versuchte ich, meinen Söhnen beizubringen. Der Magen muss doch voll sein, bevor wir uns in den anstrengenden Tag hineinstürzen. Mein Kopf wusste ganz genau, was sein muss!

Ja, und ohne Kaffee ging gar nichts. Einen Tag ohne Kaffee, den gab es viele Jahre nur, wenn ich krank im Bett lag und Tee angesagt war.

Ich erinnere mich, als Kind aß ich fast alles und immer freiwillig den Teller leer. Und ich wurde dafür gelobt. Meine Schwester machte das Gegenteil. Aber das ist ein anderes Thema.

Ich habe viele Jahre gar nicht gemerkt, dass ich, wenn ich aß, viel aß. Bis der Bauch richtig voll war. Das war für mich normal. Und Essen war oft wie eine Belohnung nach einem stressigen Tag. Aus-essen- gehen war auch immer ein Highlight. Juhuu, ich darf mich mal bedienen und es mir gut gehen lassen.

Besonders im Winter hatte ich meinen Winterspeck, der spätestens im Frühjahr ordentlich störte. Ich mochte gerne deftig, fettig, salzig, scharf. Mit dem Weihnachtsteller voller Süßigkeiten kam ich immer lange aus. Da konnte ich glücklicherweise wenig genießen, es mir sozusagen langsam auf der Zunge zergehen lassen.

Tüte Chips beim Film! Popcorn im Kino! Musste sein.

Irgendwann erkannte ich, dass ich ein emotionaler Esser war. Essen als Trost, essen als Belohnung. Ich erinnere mich an meine schlimmste Krise, bereits innerlich getrennt von meinem Mann zu sein, doch noch Wochen mit ihm in unserem Haus leben müssen, bis ich meine Wohnung beziehen konnte. Jeder für sich.

Er im Wohnzimmer vor der Glotze. Ich in der Küche mit meinem Laptop, einem Schälchen Käse, Oliven und Rotwein und manchmal Chips, um mir den Abend erträglicher zu machen. Aber zufriedener machte es mich natürlich im Nachhinein nicht. Im Gegenteil.

Oh, man.

Heute ist es so unkompliziert. Ich koche etwas, intuitiv, mit dem, was gerade da ist. Ich frage mich nicht vorher, was ich kochen soll und mache mir keinen Stress. Wenn Essenszeit ist, schaue ich in den Kühlschrank und zaubere immer etwas Leckeres. Kein Gericht ist wie das andere. Immer neue Ideen, immer neue Geschmäcker.

Heute, nach Jahren, wow, habe ich mich doch sehr verändert. Erst im vergangenen Jahr wurde es richtig körperlich für uns. Da habe ich erstmals eine Fastenkur mit Freude durchgehalten. Eine Leberreinigungskur Monate später und dieses Jahr sind wir mit einer Darmreinigungskur, die 88 Tage dauerte, sozusagen ins Jahr gestartet.

Krasse Erfahrungen, auf allen Ebenen. Wunderbar, wenn ich darauf zurück blicke.

Doch was mein Essverhalten noch mehr neu formt, ist meine innere Wandlung. Bewusstwerdung, innere Arbeit ist das, was mich und Richie seit Jahren begleitet und wir merken beide, wie sehr das unseren Alltag und unseren Körper verändert. Klar, auch unser Lebensstil.

Und wir schwingen mit dem Rhythmus, der uns noch überall im Außen begegnet, nicht mehr mit.

Ich beginne keinen Tag mehr mit einem Frühstück. So hat mein Körper noch Zeit für Regeneration und Reinigung. Und schon gar nicht mit Kaffee, denn der stört, wenn er den Stoffwechsel so aufputscht. Wusstest du, das Koffeinfreier Kaffee dieselbe Wirkung hat wie normaler Kaffee?

Erst am Mittag gibt es Frühstück und Kaffee. Und abends eine warme Mahlzeit. Essen beim Filme gucken? Nur noch in Ausnahmefällen. Rotwein am Abend oder Bier? Ein großes Nein. Und das ist der absolute Hammer.

Das hätte ich noch vor einem Jahr nie geglaubt, dass mein liebgewonnenes Glas Rotwein als Abendritual einmal aus meinem Leben fallen würde. Ja, das war eine Abhängigkeit, die sich über Jahre eingeschlichen hatte. Ich hab’s nochmal versucht, doch mein Körper sagt deutlich: Nee, tut mir nicht mehr gut.

Kaffee habe ich jetzt auch eine Woche lang wieder weg gelassen. Ich kann ohne Kaffee!! Wow, auch ein echter Hit für mich! Nein, es geht mir nicht darum, was gesund und was ungesund ist. Ich bin kein Gesundheitsapostel, wirklich nicht. Oder doch ein bisschen? Aber hier geht es darum, wirklich frei zu sein, frei von irgendwelchen Süchten und Gewohnheiten! Das befreit total!

Und Käse...nööö. Ich liebte Käse in allen Variationen. Heute Ab und an mal und das war’s!

Was bleibt dann noch übrig, fragst du dich? Ne ganze Menge! Und ich merke: wir brauchen gar nicht so viel zum Leben, wie wir denken. Neulich hat mich ein Video geflasht, von einer Frau, die vor einer kleinen Gruppe sprach, dass sie seit – jetzt halte dich fest: Seit 2,5 Jahren weder isst noch trinkt noch schläft.

Das ist wieder so ein Gamechanger für mich, der mir zeigt: Es ist so Vieles möglich, dass sich unser begrenzter Kopf nicht vorstellen kann. Ganz egal, was du oder ich davon halten.

Es geht immer und alleine nur um unseren Kopf. Um das, was er sich so einprogrammiert, um das, was er so glaubt, um all die Scheuklappen, die er sich so aufbaut. Und um emotionale Themen, die zu Abhängigkeiten führen.

Es ist so Vieles möglich, das habe ich am eigenen Leib erlebt, als Richie und ich einen Winter lang jeden Morgen nackt zum See stapften, um da einzutauchen, egal, ob Schnee lag, ob Eisdecke auf dem Wasser. Und als wir beide fast fünf Tage ohne Essen und Trinken gelebt haben. Ja, wir leben noch!

Wenn du deinen Kopf im Griff hast, ist alles möglich. Und du ahnst nicht, zu was du fähig bist.

Ich bin sehr dankbar für all diese Erfahrungen und für die Freiheit, mein Leben immer wieder komplett umgestalten zu können.

Gerade essen wir nur einmal am Tag. Eine neue Erfahrung, die uns gerade gut tut! Es erweitert nicht nur den Horizont, es macht auch frei!

Und von den körperlichen Vorteilen ganz zu schweigen – ich fühle mich immer jünger und fitter! Ich habe zurzeit tatsächlich die folgende Wahrheit für mich verinnerlicht: Je weniger ich esse, umso mehr Kraft habe ich!

Na, bist du dir bewusst, was du so isst und trinkst? Und was du meinst, zu brauchen. Und ohne das du meinst, nicht überleben zu können?

Hey, erinnere dich: Es ist sehr viel mehr möglich, als dein Kopf denkt. Es braucht nur eine glasklare Entscheidung, aber nicht aus deinem Kopf!

Herzliche Umarmung

Deine Olivia

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