FUNKTIONIEREN ODER SEIN? IST DAS HIER DIE FRAGE? – vollständiger Text
Boa, heute ist wieder so ein grau-melierter Tag, der nicht zu greifen ist. So, wie der Himmel durchzogen ist von nassen dunklen Regenwolken, so bin ich durchzogen von Erschöpfung, seltsamem Befinden und Lustlosigkeit.
Das Wetter lädt nicht gerade dazu ein, einen langen Spaziergang zu machen. Obwohl Bewegung jetzt sicher auch gut wäre. Aber immerhin hab ich mich zum Wachwerden kurz in die Fluten gewagt, die heute etwas höhere Wellen schlugen und mich umso wacher machten.
Nun, jetzt merke ich, wie ich an der kleinen Arbeitsfläche stehe und einfach mal was anderes mache. Weg vom Laptop, weg vom ewigen Sitzen. Ich fand ein klasse Rezept für einen außergewöhnlichen Brotaufstrich. Den bereite ich gerade zu und beobachte gleichzeitig meine Gedanken.
Dieses diffuse Gefühl von Unzulänglichkeit. Diese mulmigen Fragen: „Was sollte ich jetzt Sinnvolles tun? Wie kann ich effektiv und hilfreich sein? Was steht jetzt an? Worauf soll ich mich jetzt fokussieren? Was kann ich tun, um am Ende des Tages das Gefühl zu haben: „Wow, du kannst stolz auf dich sein. Du kannst zufrieden mit dir sein!“?
Ha! Genau das ist es. Ich habe mich selbst ertappt. Etwas in mir ist also unzufrieden mit mir! Was für ein machtvolles Programm, das immer noch irgendwo in mir im Hintergrund läuft und sich nicht abschalten lässt. Warum läuft dieses Programm: Ich bin ich nicht zufrieden mit mir? Warum ist da immer wieder dieser Drang, mehr schaffen, mehr tun zu müssen? Wer oder was redet mir das immer wieder ein?
Während der Mixer meine Zutaten für den Aufstrich vermengt, atme ich tief durch und lasse meinen Blick zu Richie hinüber gleiten. Auch er fühlt sich heute ähnlich, wie ich und weiß nicht so recht, was er mit diesem seltsamen Neumond-Tag anfangen soll.
Und ich sehe, dass er zwar immer noch vor seinem aufgeklappten Laptop sitzt. Aber sein Blick fällt auf sein geliebtes Sudokuheftchen, das er auf die Tastatur gelegt hat. Seine bevorzugte Art, Pause zu machen und seinen Fokus mal nur auf Zahlen von 1 – 9 zu lenken.
Da muss ich plötzlich schmunzeln und es denkt in mir: „Ja, das darf sein. Alles kann – nix muss.“ Mein Lieblingssatz, der für Wochen wieder irgendwo im Hinterstübchen verschwunden war. Und dann macht sich das wohlige Gefühl in mir breit, das mich fühlen lässt:
Ich muss gar nichts leisten. Ich darf einfach nur sein. Solange ich will. Dann kommt sowieso irgendwann unweigerlich der innere gesunde Drang, wieder mal etwas zu tun. Und da ich weiß, ich habe viel zu geben, bin ich ja auch immer wieder motiviert, das auf meine Weise zu tun.
Nur heute eben fehlt diese Motivation. Obwohl ich ja wieder etwas tue. Der Aufstrich schmeckt übrigens vorzüglich. Aber die grundsätzliche Motivation ist tatsächlich irgendwo im Keller. Und da hilft mir jetzt erst einmal die erste Tasse Kaffee und ein köstliches Frühstück. Und während Richie und ich genüsslich an unserem Tisch sitzen, steht das Laptop am Tischende und wir hören uns mega spannende Infos über Reichtum und Fülle an von einem unserer Lieblingsmentoren Tobi Beck.
Und wir merken, dass es in solchen Momenten auch gut sein kann, sich von positiven Inhalten berieseln zu lassen, um wieder zurück zu dem zu finden, was unserem Leben einen freudigen Sinn gibt und die Erinnerung an das nährende Wesentliche weckt. Ja, in diesem Fall ist es immer noch die innere und äußere Fülle, die unsere Begeisterung weckt.
Da kommt erneut frischer Wind rein, selbst der Kaffee weckt eine Geschmacksknospe mehr in meinem Gaumen und mit ihm, dem frischen Wind, kommen neue Ideen in unser Feld. Und ich merke, wie gut ich bereits innerlich aufgestellt bin und fühle Dankbarkeit darüber, weil ich doch bereits Vieles geschafft habe! Ich habe also keinen Grund, mit mir selbst unzufrieden zu sein. Den sollte ich einfach nie mehr haben.
Kopf, du kannst diesen Gedanken jetzt mal austauschen und dir und mir einreden: Wow, ich bin gut so, wie ich bin. Ich bin genau da richtig wo ich bin und ich kann jetzt tun, was mir gerade gut tut.
Da wäre ich dann bei der letzten Frage angekommen für mich selbst. Was tut mir jetzt gerade gut? Jep, ich weiß es! Ja, diesen Blogartikel zu schreiben und für dich hörbar zu machen!
Das Leben, es fließt, es geht immer weiter. Es ist immer alles in Bewegung. Und jedes Mal, jeden Moment kann ich selbst entscheiden, was ich tue, was ich denke, was ich fühle. Weil ich entschieden habe, dass ich es mir wert bin, selbst über mein Leben zu entscheiden.
Ich lasse mir nur noch in unbewussten Momenten von meinem Kopf Dinge einreden, die mich runter ziehen und in meiner Energie drosseln. Ich kriege immer schneller den Hebel umgelegt. Und die Sache umgelenkt in eine förderliche, lebensbejahende und erfreuliche Sache.
Und selbst, wenn ich am Ende eines Tages das Gefühl habe, nicht alles gegeben zu haben und nicht das Beste draus gemacht zu haben. Ich bleibe mit mir im Frieden. Ich finde immer wieder zu mir zurück.
Und zu dem: Alles kann – nix muss. Noch stellt sich mir die Frage gar nicht erst: Funktionieren oder Sein? Es ist immer beides da, das muss ich mir eingestehen. Solange der Kopf mit mischt und ich meine Programme laufen habe, erwische ich mich immer wieder beim Funktionieren und bin aufgefordert, wieder zurück zu mir ins Sein zu finden.
Wichtig ist, dass ich mir immer wieder in die Augen schauen kann und mir sagen kann: Hey, Olivia, gut, dass du immer wieder über dich und diese Welt schmunzeln kannst und innerlich weißt: Du bist diejenige, die dir und den Dingen den Wert gibt. Es gibt keinen Wertekatalog, außer dem, den du in deinem Kopf trägst.
Erinnere dich: Du kannst dir und deinem Leben mehr Wert geben, als dein Kopf denkt.
Herzliche Umarmung
deine Olivia
