HILFE, ICH DEUTE SCHON WIEDER! – vollständiger Text
Eigentlich ist alles perfekt. Ich sitze auf meiner Bank, meine geliebten Kissen im Rücken, Beine hoch gelegt, schaue durch den Vorhang und sehe die Blätter an den Bäumen im Wind tanzen, und das türkisblaue Meer dahinter höre ich friedlich rauschen.
Doch plötzlich schweifen meine Gedanken in Richtung Vergangenheit, die irgendwann einmal existiert hat.
Ein Thema war ganz groß präsent Anfang diesen Jahres und wir spürten hier innere große Fortschritte. Und dann kam das passende Projekt in unser Leben. Wir deuteten es als passend, wir fühlten es als richtig, als logische Konsequenz aus der Ernte unserer inneren Arbeit. Das Neue war jetzt einfach dran.
Und so ging dann doch die Zeit dahin, doch das Ergebnis ließ auf sich warten.
Und seltsamerweise fielen um dieses hoffnungsvolle Projekt, dass ganz viel Raum einnahm – und immer noch einnimmt, sämtliche anderen Annehmlichkeiten weg. Wir deuteten dies als: Ja, jetzt steht etwas ganz Neues an und oft ist es so, dass erst noch das große Tief durchschritten werden muss.
Doch ist das wirklich so? Wann fühle ich, dass es wahr ist und wann lege ich mir einfach nur die Dinge so zurecht, wie sie meinem Weltbild, meinen Wünschen, meinem Sonst-was entsprechen?
Noch kann ich nicht sagen: Wir hatten mit all dem Recht. Aber es fühlt sich immer noch stimmig an.
In diesem Moment, wo mir all das wieder in den Sinn kommt, merke ich, dass nicht nur ich dem, was sich zeigt, gerne eine Bedeutung gebe, die gerade gut für mich passt.
Ist es nicht so? Suchen wir uns nicht ständig genau die passenden Dinge von außen in unser Leben?
Jetzt mal ganz abgesehen von den Leuten, die vor dem Fernseher sitzen und dem, was dort gesagt wird, eine Bedeutung für ihr Leben geben, was schon fatal genug ist. „Aber die müssen es doch wissen! Die wissen doch Bescheid und die sagen doch die Wahrheit!“ Ja, ja.
So bastelt sich doch jeder seine eigene Welt ständig neu zusammen. Wie ein Kind, dass mit seinen Legoklötzen immer wieder etwas Neues zusammen baut. Auch so, wie es ihm gefällt.
Jeden Tag aufs Neue:
Die hat das und das gesagt: Ja, das passt, das nehme ich an.
Da habe ich das geträumt und dann fiel mir dieses Buch ins Auge. Und heute ist mir jemand begegnet, der hat so seltsam geschaut. In dem Moment dachte ich an jemanden. Da muss es einen Zusammenhang geben. Und schon ist die Deutung da: Dann muss da ja was dran sein!
Ich muss gerade laut lachen! Weil ich das Gefühl habe, mir selbst so oft auf den Leim gegangen zu sein. All die Jahre. Das Außen so zu formen, wie es zu dem passt, das ich erleben, das ich fühlen will. Doch vielleicht bin ich mir gar nicht auf den Leim gegangen. Vielleicht ging es einfach nur ums Erleben!
Es heißt ja: Jeder hat Recht mit dem, was er erlebt und mit dem, woran er glaubt.
Denn wir kriegen ja immer genau das bestätigt im Außen, woran wir im Inneren glauben. Das ist schon faszinierend genug.
Ok, wenn du jetzt gerade zweifelst, dann kann ich vermuten, warum! Es könnte sein, weil dir deine inneren Glaubensmuster noch nicht ganz klar sind.
Es ist, wie: Wenn ich täglich vor dem Spiegel stehe und mir sage: Ich bin glücklich und reich! Mich aber innerlich klein und noch im Mangel fühle, voller Zweifel bin….ja, was wird mir dann wohl im Außen gespiegelt?
Ich weiß, es ist kein Lieblingsthema, über das ich hier wieder einmal schreibe und spreche.
Wie oft ist dir das schon passiert? Ha, ich habe diese Karte gezogen. Was darauf geschrieben steht, kann ich genau für mich deuten! So ist es. Das ist jetzt meine Wahrheit! Hab ich alles selbst kreiert.
Oh, die schwarze Katze ist mir von links über den Weg gelaufen und dann kam noch der böse, böse Anruf vom Finanzamt. Ja, die Katze hat mir vorher bereits gezeigt, da kommt was Böses in mein Leben und zack: Bösewicht erkannt. Dieses Mal war es das Finanzamt.
Ich glaube, wir sind alle sehr kreativ im Deuten von irgendwas, oder? Ich will jetzt niemandem hier zu nahe treten.
Das Witzige ist, dass ein und dasselbe Symbol, Ereignis, Wort, derselbe Text von jedem anders gedeutet werden kann. Doch diese Vielfalt erkennen wir oft nicht.
Jemand, der abergläubisch ist, der wird sicher andere Wahrheiten für sich deuten als jemand, der damit gar nichts am Hut hat.
Wenn du glaubst, dass es regnet, weil du den Teller nicht leer gegessen hast, dann stimmt das für dich. Punkt. Und wenn du ihn doch leer gegessen hast und es trotzdem regnet, dann war es jemand anderes, der den Teller nicht leer gegessen hat.
Oder der Himmel weint gerade oder aber da macht jemand Regen mit böser Absicht oder aber mit guter Absicht. Oder die Engel pinkeln oder aber die verstorbene Schwiegermutter denkt gerade an dich. Der eine freut sich, wenn es regnet, der andere findet es zum Kotzen.
Ich hab’ so manches Mal gestaunt, wie schnell so mancher seine Wahrheit, seine Interpretation über das Verhalten eines Tieres, die Formation einer Wolke oder die Aura eines Menschen parat hatte. Ja, ich habe des Öfteren gestaunt und mich gefragt, ob das auch meine Interpretation oder Wahrheit wäre.
Versuchen wir nicht immer und immer wieder irgendwelche Zeichen im Außen zu deuten, um, ja um was eigentlich? Warum machen wir das?
Ich glaube, um ein Gefühl von Sicherheit und Klarheit zu haben, um eine Richtung zu haben, um vorbereitet zu sein. Vielleicht sogar einfach auch, weil es uns Spaß macht, Dinge zu deuten. Es gibt uns dieses gute Gefühl, das ein Detektiv wohl haben muss, wenn er gut genug recherchiert und kombiniert hat, weil er die richtige Spur gefunden hat.
Ich meine, wir sind doch teilweise Meisterdetektive im Analysieren und Verknüpfen und merken vor lauter Verknüpfungen nicht mehr, wo der eigentliche Kern sitzt.
Hach, ich bin amüsiert über mich selbst. Und mit einer neuen Sicht auf die Welt fällt all das gerade in sich zusammen und es fühlt sich sogar an, als ob etwas fehlt.
Wenn ich diese ganzen Deutungsversuche und Geschichten, die ich mir dauernd erzählt habe, einfach mal weg lasse. Ja, dann verliert das Leben „ein wenig“ an Magie. Das Geheimnisvolle fällt einfach weg. Das Leben wird plötzlich ganz profan, unspektakulär, einfach. Einfach nur Ursache und Wirkung. Wie langweilig.
Aber genau so kann diese neue Einfachheit ja Platz für Neues machen. Wie wäre es mit: Ok, interessant: So dachte ich bisher über diese Dinge. Stimmt das wirklich?
Besser noch: War das hilfreich für mich und mein Leben? Hat mich das weiter gebracht, glücklicher gemacht?
Was will ich und was will ich nicht mehr? Die wichtigste Frage von allem!
Was hindert mich noch daran, was lässt mich noch zweifeln?
Ok, erkannt. Und was jetzt?
Ich beginne vielleicht mal, an mich selbst zu glauben. Ich gebe mir einen deutlichen Auftrag: Ich will das so leben und nicht anders. Und es ist jetzt so. Ich lasse alle Zweifel und alle Deutungen einfach los.
Ich verfolge einfach nur noch diese, meine Richtung und mache weiter. Ich mache einfach weiter.
Oder ich drehe den Spieß jetzt einfach einmal um. Ich gebe dem, was mir begegnet, keine Bedeutung mehr, sondern erkenne einfach mich selbst in dem, was mir wie begegnet.
Daraus kann ich so Vieles ablesen über mich selbst.
Ganz profan: Ich bin für all das verantwortlich, das mir begegnet. Ich bin dafür verantwortlich, wie ich die Welt erlebe. Und wenn ich Schönes erlebe, dann fühle ich plötzlich echte Dankbarkeit. Denn das habe ich selbst kreiert! Mehr davon!
Ich gebe zu, dass ich manchmal staune über das, was sich mir so zeigt. Weil mir nicht immer bewusst ist, was ich im Laufe der Jahre in mir verändert habe und sich heute entsprechend in neuen Kleidern und Farben zeigt.
„Sei du selbst die Veränderung, die du dir für diese Welt wünschst.“ - so ein weiser Satz, den ich viele Jahre nicht verstanden habe.
Also, du hast alles bei dir! Und du hast alle Zeit der Welt, in dir die Veränderung zu schaffen, die du im Außen sehen und erleben willst.
Du hast keine Zeit? Ja, das kenne ich. War bei mir auch so. Heute habe ich die Zeit. Weil ich mir bewusst gemacht habe, was ich leben will und dass ich es mir wert bin, mir diese Zeit zu schenken.
Na, von was oder wem lässt du dich noch gerne beeinflussen? Wie deutest du dein Leben? Wie viel Zeit schenkst du dir, weil du es dir wert bist? Schreib es gerne in die Kommentare.
Erinnere dich: Dein Leben ist wandelbarer und du kannst mehr verändern als dein Kopf denkt!
Ich umarme dich von Herzen
deine Olivia
