Die größte Lüge deines Kopfes: „Ich hab keine Zeit! – vollständiger Text
Wie oft hast du heute schon gesagt oder gedacht: „Ich hab keine Zeit“?
Die Uhr an der Wand tickt für alle gleich. Und trotzdem fühlt sich ein Nachmittag mit einer Freundin herrlich weit an – während mir die zwei Stunden am Schreibtisch vorgekommen sind, wie ein: „Hallo und Tschüss“ und ich mich frage: Hab’ ich überhaupt etwas geschafft? Zeit ist nicht nur das, was die Uhr anzeigt. Zeit ist vor allem: wie du und ich sie erleben. Glaubst du nicht? Klar, dein Kopf mal wieder!
Der kann ja Zeit nur zählen. Aber dein Herz fühlt sie. Vielleicht erinnerst du dich an Momo:
So wie wir Augen für das Licht und Ohren für Klänge haben, haben wir ein Herz, um Zeit wahrzunehmen. Zeit, die wir nicht mit dem Herzen wahrnehmen, geht uns verloren.
Immer wieder schööön und so wahr. Das erklärt, warum ein Spaziergang im Wald sich satt anfühlt – und eine Stunde am Handy danach wie ein „Wo war ich gerade eigentlich?“.
Dein Herz spürt Zeit. Dein Kopf zählt nur Minuten. Und je langsamer du wirst, desto mehr Zeit hast du! Rebelliert er schon wieder, dein Verstand? Und schreit: „Wie soll ich bitte langsamer werden, wenn ich eh schon hinten dran bin?“
Der Punkt ist:
Wenn ich nur im Kopf unterwegs bin, dann bin ich im linearen Zeitmodus: „heute noch“, „bis Freitag“, „überfällig“. Hinter meiner Stirn – und deiner übrigens auch - (ich glaube, es ist der Präfrontallappen) läuft mein inneres Planungsbüro auf Hochtouren – dort entsteht dieses Gefühl von Zeit, dieses Gefühl von „Die Zeit rast“ und „Ich komm nicht hinterher“.
Wenn ich mehr in den Körper gehe, dann passiert etwas anderes:
Mein Atem wird ruhiger, der Puls langsamer, mein Gehirn wechselt in andere Zustände namens Alpha und Theta. Ich spüre mich. Und plötzlich wirkt Zeit weiter, weicher, dehnbarer.
Kennst du das, wenn du im Flow bist – beim Lesen, Malen, Singen, Spielen mit einem Kind?
Du vergisst die Uhr. Du bist einfach da. Das ist deine Herzzeit. Gefühlt war es zeitlos, auch wenn die Uhr etwas anderes sagt. Das zeigt doch wieder, wie relativ Zeit ist. Einstein hatte schon Recht mit seiner Theorie.
Was noch erstaunlicher ist: Es gibt Momente, in denen unser Körper schon reagiert, bevor unser Kopf überhaupt versteht, was los ist. Denn unser System weiß oft schon vorher, was passieren wird in der vermeintlichen „Zukunft“, wie wir sie nennen. Dazu gibt es sogar wissenschaftliche Experimente. Menschen bekamen Bilder gezeigt und ihr Körper reagierte schon, bevor sie diese Bilder sahen.
Ich habe auch so Beweise dafür, dass es Zukunft, Vergangenheit gar nicht so gibt, wie wir denken. Es ist alles Eins. Ich erinnere mich an den Abend, bevor ich Richie zum ersten Mal traf. Es ist ein ganz normaler Tag. Als ich am Abend die Treppe hoch ins Schlafzimmer gehe, muss ich plötzlich so breit grinsen, dass ich stehen bleibe und denke: „Moment mal, was stimmt denn jetzt nicht mir mir?“. Ich habe keine Ahnung, dass er und ich ab morgen unzertrennlich sein würden und ein ganz besonderes Leben miteinander führen würden. Ich weiß zu dem Zeitpunkt nicht, dass er mein ganzes Leben verändern würde, wie ich es mir niemals ausgemalt hätte. Aber irgendetwas in mir weiß es und grinnst und mein Kopf titscht aus. Das tat er übrigens die darauffolgenden Tage und Wochen auch.
Für unseren Kopf ist Zeit eine Linie: erst Vergangenheit, dann Gegenwart, dann Zukunft.
Für unser tiefes inneres Wissen ist das Ganze eher ein Feld mit unterschiedlichen Ebenen und Möglichkeiten. Die Zeitlinien näher beieinander, als wir glauben.
Doch der Kopf lebt von alten Filmen. Er macht es wie immer, nimmt meine bisherigen Erfahrungen, mischt sie mit alten Überzeugungen, sogar Geschichten aus der Ahnenreihe, von denen ich gar nichts weiß und baut daraus meine aktuelle Realität. Stress, Hektik, Angst, Zeitdruck inclusive. Und wenn ich darauf reinfalle, entsteht dieses Dauer-Gefühl von „zu wenig Zeit“. Das kenne ich nur zu gut und auch heute ist mir die Zeit manchmal echt ein Rätsel, weil ich mir noch nicht bewusst genug darüber bin, dass ich selbst meine Zeit kreiere.
Mein Unterbewusstsein unterscheidet nicht zwischen Vergangenheit, Zukunft und Jetzt. Und mein Kopf ist ständig entweder im Gestern oder im Morgen und er ist nie im JETZT. Das kennt er gar nicht. Da kann er gar nicht existieren. Aber das ist ein anderes Thema.
Wenn ich mir ständig sage: „Ich habe nie Zeit, ich komme nicht hinterher“, dann glaubt mir mein System oder sogar das Universum (?) das – und sorgt unbewusst dafür, dass es sich genau so anfühlt bzw. spiegelt mir genau meinen Glauben im Außen. Dein Wille ( oder besser Glaube?) geschehe!
Willst du ein neues Zeitgefühl? Dann stell dir vor, du würdest ab heute einen anderen Satz innerlich wiederholen: „Ich habe immer genug Zeit für das, was mir wirklich wichtig ist.“ Nicht als Floskel.
Als Entscheidung. Vielleicht verändert sich ganz subtil deine Realität. Du lässt Dinge weg, die gar nicht wichtig sind, erlaubst dir öfter kleine Pausen und wirst ein Stück langsamer. Und du merkst: Die Welt geht nicht unter und es ist noch Zeit übrig! Wie cool!
Meine erste bewusste Begegnung mit der „Zeit“ hatte ich bei einem Wahrnehmungs-Abend. Ich ging mit dem Satz nach Hause: Du kannst die Zeit dehnen. Und ich dehnte die Zeit in allen möglichen Situationen, manchmal mit Erfolg, der mich ins Staunen brachte. Manchmal kam mir mein Kopf dazwischen.
Ich erinnere mich an eine Situation. Ich schnappe meine Jacke, meine Tasche und haste zum Auto. Ich bin spät dran und weiß: Ich bin mindestens zehn Minuten zu spät. Bevor ich aufs Gaspedal trete und ein Autorennen veranstalte, besinne ich mich auf diese Möglichkeit. Im Auto atme ich tief, werde innerlich ruhig und sage mir: „Die Zeit dehnt sich. Ich habe genug Zeit. Zeit dehnen! Ich komme pünktlich an.“ So, wie andere ihren Parkplatz bestellen. Machst du das auch? Trotz roter Ampeln, trotz Regen, trotz Berufsverkehr bin ich tatsächlich halb so spät, wie gedacht. Und das ohne innerlich völlig durchzudrehen und ohne Stressperlen auf der Stirn.
Ich habe verstanden: Ich muss der Zeit nicht hinterherhetzen. Ich darf anfangen, anders mit ihr umzugehen.
Ich bin kein Opfer der Zeit. Ich kann verändern, wie ich Zeit erlebe. Ich lass die Uhr ticken, das ist völlig unwichtig. Wichtig ist, dass ich richtig denke und das auch glaube und fühle: Entweder „Ich hab keine Zeit, ich muss mich beeilen“ oder „Ich habe genug Zeit für das, was wirklich wichtig ist. Und ich fange heute damit an.“ Und wenn ich das kann, dann kannst du das auch!
Nicht, weil mein Kalender plötzlich leer ist. Sondern weil ich aufhöre, der größte Stressfaktor in meinem eigenen Leben zu sein. Vielleicht ist genau jetzt ein guter Moment, um einmal tief durchzuatmen. Langsamer zu werden. Und mir zu erlauben, ein bisschen mehr Herzzeit in meinen Alltag zu lassen.
Und jetzt bleibt es dir überlassen, ob du in Resonanz gehst, weil dein Kopf still geblieben ist oder ob du deinem Kopf glaubst.
Ich wünsch’ dir viel Zeit und vor allem innere Ruhe mit dir selbst. Das wünsche ich mir auch selbst, denn auch bei mir geht noch was.:-)
Erinnere dich: Du hast mehr Zeit und Möglichkeiten, als dein Kopf denkt.
Ich umarme dich
deine Olivia
