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ICH HABE NUR DAS JETZT

Von Olivia Sonnig · Lesen: ca. 4 Min. · Anhören

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Titelbild: ICH HABE NUR DAS JETZT

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ICH HABE NUR DAS JETZT – vollständiger Text

Es ist mal wieder soweit. Ich bin gefangen in meinen Emotionen. Nichts kann mich da herausbringen. Also bleibt mir nur noch die Entscheidung: Akzeptieren, was ist und mich dem hingeben oder in den Widerstand zu gehen und noch länger leiden.

Akzeptieren, was ist. Ich liege da und starre an die Decke und gleichzeitig tut sich mir vor meinem inneren Auge ein riesiges Labyrinth auf.

Ich bin mittendrin, stehe gefühlt kurz vor dem Ausgang. Doch es gibt eine letzte Weggabelung, vor der ich stehe. Der eine Weg scheint hell und freundlich. Der andere geht durch einen mystisch düsteren Durchgang um die Ecke in die Dunkelheit hinein.

Mein inneres Navi glaubt jedoch, den Ausgang in der Dunkelheit zu finden, denn es weiß ja um die typischen Tücken der Matrix, mit dem freundlicheren Weg erneut in die Irre zu führen. Ich gehe also durch diesen Durchgang in die Dunkelheit, ins Ungewisse hinein. Ich bleibe stehen und unter mir öffnet sich der Boden. Ich falle in die Tiefe, ins tiefste Schwarz hinein. Doch es geschieht ohne Angst, ohne Erregung. Ich beobachte mich, wie ich falle und lasse geschehen.

Unten angekommen ist einfach nur Nichts. Ich höre nur eine Stimme, die zu fragen scheint: Willst du das wirklich? Ohne überhaupt einen Gedanken gehabt zu haben, verwirrt mich diese Frage. Doch dann verstehe ich, was diese Frage meinen könnte: Ich darf mir einfach immer nur immer wieder bewusst machen: Was will ich wirklich? In jedem Jetzt Moment. Denn aus diesem kreiere ich meine nächste Wirklichkeit. Habe ich mich selbst dafür entschieden, weil ich es wirklich will? Ja.

Soo viele Fragen ploppen wie Luftblasen an die Oberfläche, während ich da liege und gleichzeitig da unten in der Dunkelheit stehe. Gibt es freie Entscheidungen überhaupt oder denke ich nur, dass ich frei wählen kann? Gibt es die wahre Freiheit überhaupt? Gibt es dieses ewige Zuhause, nach dem sich viele sehnen, überhaupt? Gibt es überhaupt irgendeinen Halt außer dem, den ich mir immer wieder selbst gebe durch meinen Glauben an irgendetwas und meine Entscheidungen für irgendetwas?

„Euch geschieht nach eurem Glauben“. Ja, uns geschieht nach unserem Glauben. Ich glaube, da steckt viel Tiefsinn darin. Möglicherweise ist das das Einzige, das wir haben. Unseren Glauben. Je nach Bewusstseinsentwicklung glauben wir immer wieder etwas anderes und kreieren damit stets eine neue Wirklichkeit.

Gibt es echtes Wissen überhaupt? Mir kommt es so vor, als gäbe es für mich nur den Glauben daran, dass etwas so ist. Kann ich es wissen? Mit Gewissheit wissen? Hmm, ganz klar nein. Selbst, wenn ich sagen würde: Das ist eine Tasse. Ich habe diesen Begriff irgendwann übernommen, der dieses Teil als Tasse bezeichnet. Und ich erkenne alle Teile, die so aussehen, als Tasse und speichere sie so ab. Doch es ist mein Glaube, dass es eine Tasse ist. Ich glaube fest daran, dass das eine Tasse ist. Und dann gebe ich das so zum Ausdruck und kreiere, dass es so ist. Doch eigentlich ist es eine Definition aus meiner kleinen Sicht heraus, die sich der Sicht dieser Gesellschaft angepasst hat.

Aus einer anderen, ganz anderen Perspektive ist es womöglich ganz anders. Alles Kreationen, die ich mir selbst durch meinen Glauben, meine Konstrukte erschaffen habe. Und die meisten Kreationen waren nicht wirklich frei kreiert, oder?

Und was kann ich wirklich tun als nicht freies Wesen? Alles, was ich habe, ist nur JETZT. Und dieser JETZT-Moment tut sich vor mir auf wie ein riesiges Tor in einer Reihe unendlicher weiterer Tore. Alles neue Jetzt-Momente, die ich mit Inhalt füllen darf in meiner begrenzten Welt. Bin ich jetzt glücklich oder traurig? Wähle ich, diesen JETZT-Moment bewusst mit meinen Kreationen zu füllen oder bleibe ich passiv?

Diese stille Sehnsucht nach einem Zuhause, nach einem roten Faden, an dem ich mich entlang hangeln kann, verliert sich gerade im Nirwana. Die Ewigkeit ist nicht zu greifen. Alles, was ich greifen kann, ist JETZT und JETZT und JETZT. Und es liegt an mir, wohin mich diese JETZT-Momente bringen werden.

Bin ich jemals wirklich frei auch außerhalb dieses Matrix-Konstruktes? Eine Frage, die ich mir noch nie gestellt habe.

Diese Frage bleibt mir unbeantwortet, wie alle anderen auch. Es wird nur still. Ich habe die Wahl, das zu akzeptieren, was gerade ist oder in den Widerstand, in den Schmerz, in das Drama zu gehen. Wie gut, dass ich diese Wahl habe!

Ich schluchze, verliere mich kurz in Emotionen und wische mir die Tränen aus dem Gesicht. Bin ich gerade nur gefangen in meinem eigenen Kopfgefängnis? Oder habe ich einen weiteren Blick über den Tellerrand gemacht? Ich stelle sogar alles vermeintliche Herz-Wissen aus der Vergangenheit infrage.

Alles was bleibt, ist die Erkenntnis: Ich habe nur das JETZT. Und ich kann mich, muss mich entscheiden: Mache ich weiter oder gebe ich auf? Gehe ich in den Schlafmodus oder beobachte ich mutig weiter, was sich so entwickelt?

Gehe ich mir jetzt `ne Tüte Chips kaufen oder verbiete ich sie mir, weil sie ja ungesund sein sollen? Ja, auch diese Frage kommt mir in den Sinn und die Antwort lautet: Ach, warum nicht? Ich glaube jetzt einfach ganz fest, dass die jetzt gesund für mich sind! Punkt.

Erinnere dich: Du bestimmst mehr über dein „Schicksal“, als dein Kopf denkt. Oder umgekehrt? Wer weiß das schon.

Herzliche Umarmung

deine Olivia

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