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ICH WAR MUTIG – HAB’ MIT MIR TACHELES GEREDET

Von Olivia Sonnig · Lesen: ca. 7 Min. · Anhören

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Titelbild: ICH WAR MUTIG – HAB’ MIT MIR TACHELES GEREDET

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ICH WAR MUTIG – HAB’ MIT MIR TACHELES GEREDET – vollständiger Text

Das erste Mal nach langer Zeit hab’ ich meine Turnschuhe an und laufe durch die Straßen. Doch mir fehlt die Kraft. Oder ist es nur die Lebensfreude, die mir wieder abhanden gekommen ist. Ich schalte runter und gehe … da ist kein Genuss. Obwohl die Landschaft göttlich ist. Links das Meer und die Morgensonne. Rechts hohe Felsen, Berge, kleine Bergdörfer.

Das passt gerade nicht. Ich will gut drauf sein! Ach, Widerstand, bist du auch mit an Bord. Na herzlich willkommen!

Es ist Ende September. Es ist warm, immer noch. Nicht wie in Deutschland. Blauer Himmel. Laue Brise. Die Sonnenstrahlen wärmen mich auf. Doch ich kann sie nicht genießen. Ich spüre meine Fersen. Sie schmerzen. Schon Blasen. Das gibt’s doch nicht. Keine Pflaster, wenig Gepäck. Nicht mal ein Handtuch.

Ich gehe trotzdem ans Wasser und nach einer Weile des unnötigen Grübelns ziehe mich aus. Schwimme eine Weile ins Sonnenlicht hinein und genieße das frische kühle ruhige Salzwasser, das meinen Körper umschmeichelt und durch meine Poren in mich hinein fließt. Es fühlt sich so an. Ich blabbere einige Kraftsätze vor mich hin und stelle mir vor, wie alles Negative aus mir heraus abfließt in die Weite des Meeres, das alles einfach reinigt.

Für einen Moment ist wieder trügerischer Frieden in mir. Ein kleines bisschen Lebendigkeit regt sich irgendwo in mir drin. Als ich kurz später in einer Taverne sitze und mir einen Kaffee bestelle, merke ich es wieder. Irgendetwas bremst mich aus. Irgendetwas lähmt mich. Ich spüre eine leichte Verkrampfung in meinem Nacken. Nicht schon wieder. Bin ich wieder depressiv?

Aber warum? Ich nehme meinen kleinen Notizblock und den Stift und sammle die Energie, die in mir ist. Stelle mir vor, wie sie durch meinen linken Arm in den Stift fließt und sich kurz ruckartig auf dem Papier entlädt. Ein Kritzelbild entsteht vor meinen Augen. Ich schau es an und beginne, die Striche nachzuziehen in leichten wellenförmigen Mustern.

Es tut gut, in diese Zeichnerei zu versinken. Ich runde alle Ecken ab, bis ein Bild entsteht, das aussieht wie eine dicke Knospe, die gerade aus ihrer Schale herausbricht. Interessant, aber eigentlich unwichtig.

Ich schlürfe an meiner Tasse Kaffee, schaue auf das große Segelboot dort hinten in der Ferne und frage mich, wie es wohl wäre, einmal lange Zeit nur auf dem Wasser zu segeln. Ohne Land, ohne Lärm, ohne alles, was man sonst so kennt. Nur Wasser, nur Weite….

Würden die Wellen mich seekrank machen? Ach, mein Kopf hat sich wieder eingemischt und stellt diese Frage. Antwort: Wer weiß, vielleicht, vielleicht auch nicht. Es ist unwichtig.

Was ist denn wichtig?, fragt es in mir.

Ich richte mich auf und mein Blick fällt auf das Notizblatt. Was war das, was ich dort sichtbar gekritzelt hab? Leider fehlten mir die Buntstifte, um die Neurografik richtig zu nutzen. Später habe ich dieses Bild vervollständigt mit weiteren Verbindungslinien, um es zu harmonisieren und es fühlte sich richtig gut an, diese neuen neuronalen Verbindungen aufgezeichnet zu haben.

Allein durch die Betrachtung wird sich bzgl. des Themas in meinem Kopf etwas verändern. Diese Technik habe ich von meinem Sohn Eric gelernt. Er ist u.a. Neurografik-Trainer und hat excellente Online-Kurse dazu erstellt.

Das sage ich nicht, weil es mein Sohn ist. Seine Kurse sind wirklich excellent und diese kreative und so einfache Möglichkeit, die eigenen Themen in die Veränderung zu bringen ebenso. Das ist für mich eine Art Wellness-Transformation, weil ich mich einfach ins Zeichnen dabei vertiefen kann, neue Verbindungen aufzeichnen, mich dabei entspannen und ganz still werden. Ich muss sonst nichts tun, außer zeichnen und es betrachten. Das kann ich während der Kaffeepause tun. Einfach genial. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, findest du hier seine Seite: https://force-of-life.de/neurographik/

Was ist jetzt wirklich wichtig? Ich will endlich meine Depressionen ein für alle Mal los werden, schreit es in mir. Mein Herz klopft. Ich stehe auf, nehme die Turnschuhe in die Hand. Ich muss barfuß zurück gehen.

Zurück im Van erzähle ich Richie von meiner Befindlichkeit und es kommt die Idee auf, die Depression einfach imaginär aufs Bett zu setzen. Ich spreche mich aus meinem jetzigen Ich laut aus, mit allem was mir so kommt.

Dann stehe ich auf und gehe in die Rolle des zukünftigen Ich, das keine Depressionen mehr hat. Und dieses Ich beginnt zu reden. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich war verblüfft über all die Informationen, die da heraus kamen.

Dann ging ich in die Rolle der Depression, die sich sichtlich wohl fühlte, in ihrer Kuschelhöhle und kein Interesse hatte, da weg zu gehen. Ja, sie war zum Teil noch von meinen Ahnen und zum Teil von mir selbst. Gekoppelt an eine Angst, in meine wahre Kraft und Verantwortung zu gehen, für das, was noch alles mehr möglich sein kann in meinem Leben.

Denn, wenn ich depressiv bin, dann kann ich ja nicht. Dann bin ich ja kraftlos, orientierungslos und leer. Wie soll ich dann Verantwortung übernehmen und neue kraftvolle Entscheidungen treffen? Geht ja nicht. Verstecke ich mich tatsächlich hinter meiner Depression? Wenn ja, dann ist da wohl ein riesiger blinder Fleck, den ich nicht sehen kann. Ich halte es für möglich. Ich bin für alles offen. Ich will die Wahrheit.

Ja, das tut ein bisschen weh, diese Wahrheit zu erfahren. Doch es ist gut und wichtig. Ich gehe wieder in meine Rolle als das Ich aus dem Jetzt, spreche mich erneut aus. Ich lokalisiere diese Schwere, dieses Depressive Etwas in meinem Nacken, Schulter, Hinterkopf.

Es sieht vor meinem inneren Auge aus wie ein Metallpfosten, der voller Eiszapfen hängt. Richie fragt, ob ich ihn lösen könnte. Ja, ich kann. Vier imaginäre Schrauben finde ich, eine im Hinterkopf, eine am oberen Rücken und je eine links und rechts am Schulterbereich. Ich stelle mir einfach vor, wie ich sie löse und vorsichtig die Löcher mit einem guten Öl säubere. Das Metallteil sieht völlig verrostet aus. Die Schrauben ebenso.

Ich werfe es in einen imaginären Müllcontainer. Als ich den Deckel zufallen lasse, fliegt eine rostige Schraube wieder raus. Ich fange sie rechtzeitig, bevor sie sich wieder in meinem Körper einnistet und womöglich Junge kriegt und werfe sie wieder hinein, mache schnell den Deckel zu. Doch zur Sicherheit rufe ich den imaginären kosmischen Sauger und lasse die Tonne einfach leer saugen.

Als ich da sitze in der Stille spüre ich leere Stellen in meinem Körper und ein leichtes Kribbeln. Dann stelle ich mir vor, wie ich mich mit neuem Licht fülle. Und während das passiert, bemerke ich plötzlich eine lichtvolle Kraft hinter mir. Sie strahlt grün und strahlt in mich hinein. Wow, damit hatte ich nicht gerechnet. Was war es? Eine Lichtgestalt? Ein kosmisches Wesen? Oder vielleicht die heilende Kraft meiner geheilten Ahnen? Ich weiß es nicht. Mein Kopf weiß es nicht. Es ist egal.

Ich sitze da und genieße diese wunderbare Kraft. Und während ich das tue, wird mir erstmals so richtig deutlich bewusst, in was für einer Welt wir leben.

Dieses bisschen sichtbare und greifbare Welt ist nichts, nichts in Bezug auf den gesamten Rest dieser Wirklichkeit, die wir nicht sehen, sondern nur fühlen und uns vorstellen können.

Das, was ich hier gerade erlebe und fühle, ist so groß, so unglaublich kraftvoll und wesentlich.

Diese Welt ist so viel größer als das, was unser Kopf begreifen kann.

Wenn ich mich dafür öffne, indem ich spielerisch diese Energiearbeit mache, indem ich meine Vorstellungskraft nutze und die Bilder und Emotionen ernst nehme, die sich mir zeigen, kann ich meine Wirklichkeit verändern. Ich kann mich selbst heilen, ich kann alles Mögliche bewegen.

Wenn ich nur diesen einen Schritt tue: diesen Schritt, ins Fühlen zu gehen, das, was sich gerade zeigt, nicht zu verdrängen, wie so oft, sondern stehen zu bleiben, hinzuschauen, es durch zu fühlen,

Dieser Schritt, der so schwer ist, weil wir nur Gutes fühlen wollen und jeden Schmerz verdrängen. Wenn ich nur diesen Moment nutze, der so schnell wieder vorbei ist. Wenn ich nicht im Kopf bleibe, wenn ich nicht in die Ablenkung, nicht in den Widerstand gehe. Wenn ich bereit bin, mich dem zu stellen, was mir meine Lebensfreude gerade wieder nimmt.

So, wie ich es beschrieben habe. So kann es gehen oder auch anders. Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Hauptsache, ich tue es und verdränge es nicht.

Fantasie ist so viel wichtiger als Wissen. Soll Einstein gesagt haben. Könnte von mir sein. Auf jeden Fall stimmt es auch, wenn ich sage: Fühlen ist der erste Schritt in die Heilung. „Feeling is Healing“.

Ich fühle mich so anders nachdem ich das erfahren habe, was ich selbst inszeniert und durchgespielt habe. Es funktioniert. Ach ja, und die Depression, die auf dem Bett saß, ich hab mich ihr gegenüber nochmal deutlich ausgesprochen und die kraftvolle Entscheidung getroffen, sie rauszuwerfen, ein für alle Mal. Bis ich spürte, sie war schon weg. Sie war einfach weg.

Erinnere dich: Es ist so viel mehr möglich als dein Kopf denkt.

Herzliche Umarmung

deine Olivia

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