JEDES MAL EIN ENTSCHEIDUNGS-DRAMA – vollständiger Text
Gerade erlebe ich es fast täglich, dass ich sowas von genervt bin, wieder und wieder Entscheidungen treffen zu müssen. Es ist für mich so anstrengend,wie wenn ich ohne Brille einen Faden durch ein Nadelör kriegen muss. Ja, fast unmöglich. Und es stinkt mir zum Himmel wie der schlimmste Furz.
Aber, warum?, fragt irgendwer in mir. Warum kannst du nicht einfach Entscheidungen für dich treffen? Ja, gute Frage, keine Antwort. Zumindest keine klare auf die Schnelle.
Als Kind schon wollte ich jede „falsche“ Entscheidung vermeiden. Nehme ich die weiße Schokolade oder die braune? Geh ich raus oder bleibe ich drinnen?
Aaber, es gab auch Situationen, da war es einfach glasklar, wie ich mich entscheide. Ich erinnere mich, als ich mit meiner Oma durch die Stadt spaziere, weil sie mir mir ein paar neue Sandalen kaufen gehen wollte. Wir kommen in den Laden, an dem ein großer schwarz-gelber Salamander auf einem Schild aufgemalt war. Die Ladenbesitzerin kommt uns schon freudig entgegen und führt uns in die Kinderabteilung.
Ich voller Vorfreude. Ich bin 7 oder 8 Jahre alt und liebe bereits Schuhe, wie frische Erdbeeren mit Sahne drauf.
Ich stehe vor dem riesigen Schuhregal und da stehen sie. Sie lachen mich an. Sie leuchten, die sind es. Ich nehm’ sie in die Hände und fühle die glatte, warme tiefschwarze Lackoberfläche und es riecht nach frischem Leder. Fasziniert und mit offenem Mund bestaune ich diese Schuhe, die so ganz anders aussehen, als all die anderen, weil sie so wertvoll glänzen und ganz glatt sind. Solche schwarzen Lackschuhe habe ich, die kleine Olivia, mir immer gewünscht.
Ich ziehe sie an und sie sind natürlich die bequemsten Schuhe der Welt. Und meine Oma freut sich sogar mit und kauft sie mir. Meine Welt ist in Ordnung. Ich habe die beste Oma der Welt, die schönsten Schuhe der Welt und ich bin das glücklichste Mädchen auf der ganzen großen Welt.
In dieser Situation damals fiel es mir leicht, mich zu entscheiden.
Genau solche Situationen wünsche ich mir! Genau die! Davon gab es einige mehr in meinem Leben, wo die Entscheidung glasklar und einfach war! Eine Entscheidung, die keine Minute gedauert hat, bis sie getroffen wurde.
Warum, zum Teufel, kann das nicht immer so sein?
Gerade weht mir die sommerliche Luft zärtlich in die Nase und ich atme tief durch, während mir klar wird: Ich hab’s nicht gelernt. Ich hab’s nicht drauf. Ich hab’ mich zu lange angepasst in meiner Vergangenheit. Als schüchternes Kind getan, was man mir sagte. Als Ehefrau lange an der Seite eines Mannes gelebt, der sich noch schwerer tat, Entscheidungen zu treffen, was mich aufforderte, jetzt endlich selbst die Entscheidungen für mich und mein Leben zu treffen.
Ich will mich ja nicht beklagen. Grundsätzlich treffe ich schon gute Entscheidungen für mich und mein Leben, sonst wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin.
Ist da vielleicht ein Fehler in meinem Kopfcomputer – ein Virus, der sich immer wieder selbst aktiviert und mich dazu bringt, dass ich manchmal stundenlang einfach nur da sitze und keine Entscheidung treffen kann, ob ich nun oder ob ich nicht….
Ich bemerke, weil ich mich Tag für Tag besser beobachte, dass ich lieber einfach drauf los mache. Irgendwas, das mir gerade einfällt. So aus dem inneren Flow heraus. Ich tue also was, manchmal ‚ne ganze Menge. Aber ohne bewusst eine Entscheidung zu treffen. Und ich merke, wenn ich so weiter mache, fehlt etwas. Dann ändert sich nichts Entscheidendes. Dann komme ich nicht weiter.
Ich darf ein paar Dinge angehen, für die ich eine klare Entscheidung treffen muss. Zum Beispiel, endlich mein Buch fertig zu stellen, endlich den richtigen Anbieter zu finden, unsere Homepage angehen, endlich wieder singen üben, endlich meine eigenen Produkte, Ideen, die in der Schublade liegen, zu Ende bringen. All die Dinge, die sich vor mir wie riesige Hürden auftürmen, wenn ich drauf schaue.
Kennst du das? So viele Ideen, so viele Dinge begonnen und dann nicht fertig gestellt. Sie einfach nicht zu Ende gebracht. Und diese Entscheidungen zu treffen, fällt mir zum Beispiel echt schwer.
Ja, und wehe, ich bin mal wieder nicht im Flow, was nicht weniger als öfter vorkommt. Dann fühlt sich jede Entscheidungsfrage an wie ne Bleiweste, die ich tragen muss. Haach, neee, ich will doch gar nicht denken, ich will nicht, keine Entscheidung. Macht das jemand anderes für mich? Mir ist es egaaaal.
Und dann noch all diese tausend und abertausenden kleinen täglichen Entscheidungen, diese nervigen kleinen Futzis, die wie das Handy schreien: Schau her! Schau her! Soll ich das kochen oder das? Oder gehen wir essen? Soll ich jetzt Yoga machen oder später? Soll ich jetzt einkaufen oder morgen oder übermorgen? Jetzt hier mein Lupinenkäffchen oder am Strand? Jetzt am PC arbeiten oder heute Abend? Jetzt ein Filmchen schneiden oder später? Jetzt den und den anschreiben, hier oder dort antworten oder später? Kleid oder Hose? Das weiße oder das rote? Mit oder ohne Hut? Immer will sich mein Kopf sofort den Zukunftsfilm anschauen, als wäre es schon passiert, um dann mit sicherem Gefühl entscheiden zu können: Ja, dat haste gut entschieden! Schulterklopf! Dabei weiß er längst, dass das nicht möglich ist.
Ich will wirklich nicht wissen, wie viel wertvolle Lebenszeit ich mit dem Grübeln über all diese Entscheidungsfragen bereits verloren habe. Wenn ich in einem Café oder Restaurant sitze, da bin ich bereits recht schnell damit, zu entscheiden, was ich essen und trinken will. Na, wenigstens ein kleiner Fortschritt, der mir gerade eingefallen ist.
Aber Entscheidungen sind nervig. Was, wenn alles einfach immer glasklar wäre, so, wie die glänzenden schwarzen Lackschuhe im Regal, die schon die meinen waren, bevor ich sie anprobiert habe?
Hahahahah, ich weiß, das ist Jammern auf hohem Niveau. Aber es hat gut getan! Naja, eine Lösung müsste noch her. Wie löse ich mein Problem? Ich höre Richie wieder sagen: Du weißt doch, jedes Problem birgt schon die Lösung in sich, denn wir leben ja in der Dualität. Sie ist also schon da, die Lösung, ich muss sie nur noch für mich finden. Ich arbeite dran und geb’ dir Bescheid.
Ich hoffe, du konntest mein Jammern gut aushalten. Vielleicht geht es dir genau so oder ähnlich? Vielleicht hast du deine Lösung schon gefunden und kannst mir dabei helfen, mein Problem zu lösen. Schreibe gerne in den Chat.
Und ich erinnere mich: Die Lösungen sind oft einfacher, als mein Kopf denkt.
Herzliche Umarmung
deine Olivia
