LIEBER LEER ALS VOLL IDENTIFIZIERT – vollständiger Text
So aufgewühlt, wie das Meer hier vor ein paar Wochen war, so aufgewühlt war es genau so in mir drin. Nach außen hin nicht sichtbar. Aber innen, da war eine ganze Menge los.
Angefangen wieder mal durch Trigger im Außen.
Ja, es gibt noch Menschen in meinem Leben, die mich immer noch und immer wieder triggern. Wofür ich rückblickend dankbar sein kann.
Doch in diesen Momenten frage ich mich jedes Mal: Was jetzt? Ich schon wieder und nicht die anderen? Was darf ich erkennen? Welche Themen sind dahinter versteckt? Warum immer diese Verwirrung? Was läuft hier wieder falsch oder richtig?
Es gibt kein falsch oder richtig. Es läuft, was laufen soll. Es zeigt sich, was sich zeigen soll. Es ist dran, was gerade dran ist. Es fällt zu, was zufallen soll. Genau so ist es! Trigger sind wohl immer wieder mal nötig, um klarer sehen und fühlen zu lernen und um mir den unliebsamen Spiegel vorzuhalten, den in solchen Momenten gerne anderen vorhalten will.
Hach, wie ich das in dem Moment ablehne, das anzuerkennen!!
So begebe ich mich in einem solchen unliebsamen Moment wieder mal nach innen. Es ist herausfordernd. Selbst vor dem Einschlafen bitte ich sogar um Klarheit in dieser Sache. Und am nächsten Morgen findet Richie zum Frühstück wieder mal ein gutes Video, diesmal eines von CG Jung mit so weisem Inhalt. Während ich den Worten lausche, halte ich immer wieder inne, höre sogar auf zu kauen und lasse meinen heißgeliebten Frühstückskaffee kalt werden.
Ich merke, wie es innerlich in mir rauf und runter hüpft. Ich werde so still und aufmerksam wie die Katze, die sich vor’s Mäuseloch hockt und mit all ihren Sinnen den Geräuschen lauscht.
Am Nachmittag gibt es erneut eine heiße Diskussion zwischen uns beiden, aufgrund meiner Trigger-Themen, die mein Kopf in diesen Momenten nicht als solche erkennen kann.
Richie blickt da in eine völlig andere Richtung als ich. Er hat diese Triggerthemen nicht. Er erinnert mich dauernd daran, dass ich im Kopf und nicht im Herzen bin.
Das triggert mich zusätzlich und ich bin nicht in der Lage, ihm mein Innenleben so klar darzustellen, dass er es wirklich verstehen kann.
Wir streiten also, bewegen uns auseinander und die Luft ist mehr als dick. Nicht einmal die stürmische See kann diese Luft weg pusten.
Kurz später ziehe ich mich zurück, um dieses Video von heute Mittag noch einmal anzuhören und mich zu sammeln, mich zu ordnen. Während ich mich in einen von der Sonne ausgeblichenen blaugrauen Knautschsessel im Halbschatten fallen lasse und meine Füße im Sand vergrabe, stecke ich die Ohrstöpsel in meine Ohren.
Keine Bedienung kommt, mich zu fragen, was ich trinken will. Ich bin scheinbar unsichtbar. Aber immerhin hat es den Vorteil, dass mich niemand stört und ich vollkommen abtauchen kann.
Und da ploppen sie wieder auf, ein Aha nach dem anderen. Es ist faszinierend. Als wenn ich die richtige Schatzkarte in meinen Händen halte, die mir endlich die Richtung zeigt, die mir so gefehlt hat.
In kurzen Momenten denkt es in mir: Nichts kann aufregender sein, als diese innere Schatzsuche. Nichts auf der Welt. Selbst eine Shoppingtour mit einer vollen Geldbörse könnte mich nicht von hier, von einem solchen Moment weg locken.
Es scheint, als fließe neue Klarheit durch meine Adern und frischt meine Zellen auf. In meiner Brustmitte fühlt es sich weit und leicht an. Als ob der letzte Druck von mir abfällt, der da immer noch latent irgendwo in mir schlummerte.
Ich beame mich kurz raus aus meinem Leben und blicke von oben herab und zurück auf all meine Lebensjahre. Von da oben kommt es mir so vor, als wäre es immer nur darum gegangen, so sein zu müssen, wie es mir beigebracht und vorgelebt wurde, wie es mein Überleben sichern konnte, wie es meinem hungrigen, unterernährten Ego die meisten Vorteile bringt in Form von Lob, Anerkennung, Liebe….von den Eltern, Erziehern, Lehrern, Arbeitgebern, Kollegen, Freunden, Partnern….?
Ging es nicht ständig darum, gut auszusehen, gut da zu stehen? Ging es nicht Tag für Tag um Status (Bildung, Job, Geld) und um eine Art Freiheit in Form von finanziellem Handlungsspielraum?
Es war in meinem Leben immer irgendeine Form von Druck oder Zwang da und das tief vergrabene miese, kaum wahrnehmbare aber folgenschwere Gefühl, immer nicht gut genug zu sein. Was sich mir im Außen dann in allen erdenklichen Szenarien darstellte.
Wie ist es, wenn du in dein Leben zurück blickst? War es da vielleicht ähnlich?
Es ging darum, Geld verdienen zu müssen, pünktlich zu sein, Verhalten und Ausdruck passend zur jeweiligen Situation zu zeigen, noch mehr Wissen anzuhäufen, noch mehr Zertifikate und Annehmlichkeiten zu erreichen, noch anpassungsfähiger, schlagfertiger, noch überlegener, noch spiritueller, noch weiser, noch höher, noch schneller…
Oder es ging darum hier zu helfen, da zu strahlen, um ein guter Mensch zu sein. Wie oft war all das Bestreben eigentlich stets mit dem Bedürfnis verbunden, die innere Leere zu füllen? Sich wertvoll, sich nützlich, sich angekommen zu fühlen?
Oh, ich merke, wie tief es in uns allen immer wieder um Anerkennung geht in allen möglichen Nuancen, ohne dass wir es bemerken, weil wir zu selten nach innen fühlen.
Und dann dieser rote Faden, der sich durch mein Leben zog: Immer nur von vielem etwas zu wissen, ohne je völlig auf etwas spezialisiert und damit weit entfernt davon zu sein, mich als Spezialistin oder Profi in irgendeinem Bereich zu sehen.
Stattdessen habe ich mich immer wieder wie ein leeres Blatt im Winde gefühlt, so manchen Profi auch insgeheim beneidet und mich so manches Mal gefragt, ob mit mir etwas nicht stimmt.
Nie habe ich mich mit irgendeiner Sache komplett dauerhaft identifizieren können. Nie habe ich dauerhaft dieses Brennen für diese eine Sache gehabt, geschweige denn diese Klarheit, dass diese eine Sache den Sinn meines Lebens ausmachen könnte.
Ich bin nicht die…. die Autorin, die Sängerin, die Sozialtherapeutin, die Frau Ü50…., die Camperin, die Eigentümerin von irgendwas, die Bloggerin, die Traumpartnerin, die Sexgöttin, die Mütterliche, die Harmonie-Schaffende, die Unsichtbare, die Mutige, die Stille, die Emotionale, die Witzige oder die oder die…..Ich bin so Vieles mehr und auch gar nichts von alldem.
Ich habe mich immer als ein weibliches Wesen gefühlt - meistens jedenfalls -, das mal die und mal die Interessen hat. Ich bin irgendwie immer wieder leer und zeitlos unterwegs, wenn auch ständig weiter unterwegs zu meiner ursprünglichen unverfälschten Essenz.
Und ab diesem Moment bringen mir die Worte, denen ich erneut gelauscht habe, eine innere Freude und tiefen Dank darüber, dass das alles genau so in meinem Leben ist. Es macht plötzlich Sinn. Als hätte ich diese Bestätigung von außen mal wieder gebraucht für meine eigene Klarheit, die mir immer wieder noch abhanden gekommen ist.
Ich fühle mich in diesem Moment richtig, so wie ich bin mit allem, was ich erlebt habe. Auch wenn ich mich oft in Zweifeln verirrte und in Mangelprogrammen über mich selbst unterwegs war.
Es war sicher nicht leicht, mein Leben. Deines vermutlich auch nicht, stimmt’s?
Doch jetzt macht alles einen Sinn. Es ist, als ob mir erneut ein innerer Vorhang weg gezogen wird. Ich liebe solche Momente, auch wenn sie erst einmal verwirrend und lähmend sein können, bevor sie sich als neues Puzzleteil in das Gesamtbild einfügen lassen.
Es geht für mich nicht darum, jemand zu werden, dies und das zu bekommen um dazu zu gehören. Und es geht für mich nicht darum, sich in einer Sache zu profilieren und sich etwas aufzubauen, um jemand zu sein. Es geht mir nicht um irgendeinen ERFOLG im Sinne des ERFOLGS, wie es uns beigebracht wurde. Für mich geht es darum, mich von all dem zu befreien.
Es geht für mich einzig und allein und letztendlich nur ums ERKENNEN, ERINNERN UND LOSLASSEN!
FREI SEIN von all dem orchestrierten Bullshit, der in uns das Gefühl von Zwang, Kleinheit und Mangel anstößt.
Und ich sehe mich, die ich mittlerweile richtig gut loslassen kann und nie wirklich eine Festung um mich herum aufgebaut habe und verteidigen muss, jetzt im krassen Vorteil gegenüber Menschen, die den Boden unter ihren Füßen verlieren würden, wenn sie sich die folgende Frage stellen müssten:
Was wäre ich, wenn all das, was ich mir aufgebaut habe, jetzt wegfallen würde? Was bliebe dann noch übrig? Gute Fragen, auf die es so mal eben schnell keine Antwort gibt, oder?
Die einzige Stabilität und Festung finde ich nur und ausschließlich in mir selbst. Ich finde mich, indem ich erkenne, dass ich nichts und alles bin. Mein Leben ist mein Weg zu mir selbst. Und ich erkenne in diesem Moment: Es ist der Weg weg von dem männlich-Dominierten hin zum Weiblichen, der Weg in die Balance zwischen männlich und weiblich.
Ich lasse all den Druck, all das Müssen, mich beweisen, konkurrieren, gut da stehen, stark sein müssen los. Ich gehe mehr und mehr ins Vertrauen, ins Loslassen, ins Fühlen, ins Spüren, ins Fließen mit dem Leben, wie es gerade fließen will. Vom Kopf-Denken ins Herz-Spüren. Vom Wissen müssen ins Fühlen können.
Keine Anhaftungen, Profile und Rollen mehr, die wichtiger sein könnten. Das spart mir eine Menge Energie ein, die ich verbrauchen würde, müsste ich tagtäglich meine Festung verteidigen, mich selbst immer wieder „verkaufen“, indem ich mich profiliere, meine Ansichten darstelle, meine Meinung kundtue, mich erkläre, auf alles reagiere oder die Welt rette.
Nichts von alldem muss ich! NICHTS!
Ich bin so wie ich bin. Doch lebe ich das auch zu 100%? Stehe ich zu 100% zu mir selbst?
Warum dann noch diese Trigger, die bestimmte Menschen in mir auslösen? Was darf ich da noch erkennen?
Menschen dürfen ihre eigene Weltsicht haben und sie dürfen mich nicht so sehen, wie ich bin. Sie dürfen mich durch ihre betonierte Weltsichtbrille betrachten, die sie mit dem Bau ihrer Festung gleich mit aufgebaut haben!
Menschen dürfen sich selbst gut profilieren und andere begeistern können und doch blind für ihre eigenen dicken Flecken sein!
Menschen, die stets dieselben Geschichten erzählen und keine anderen Wahrheiten akzeptieren, auch die dürfen sein!
Menschen, die selbstsicher von sich behaupten, unglaublich weit zu sein und über anderen zu stehen, sie dürfen so sein.
Und ich darf es in diesem Trigger-Moment sehr überheblich und unspirituell finden.
Was ist da in mir, dass sich da schütteln muss und unbedingt spiegeln will? Es ist nicht mein Herz, das steht fest ;-).
Nun, immerhin bringen mir solche Triggermomente mehr Klarheit über mich selbst. Und ich darf akzeptieren, dass solche Menschen ihre eigene Wahrheit haben dürfen. Ich darf lernen, nicht zu urteilen über Menschen, die so anders denken, fühlen, handeln als ich.
Doch auch hier habe ich meine eigenen blinden Flecken. Ich erinnere mich, dass auch ich in der Vergangenheit überheblich war. Auch ich dachte in meiner Missionier-Phase, ich sei so viel weiter als andere und ganz bestimmt dachten auch andere über mich, ich sei überheblich.
Und ich erkenne, dass auch ich mich in anderen Menschen täuschen darf. Ent-Täuschung über andere Menschen birgt die Tatsache, dass ich mir ein falsches Bild aufgebaut habe und dass ich Erwartungen in mir trug.
Jetzt streife ich all das ab. Diese neue Klarheit tut mir gut. Ich erkenne die Distanz zwischen mir und diesen Menschen und gleichzeitig steigt sogar Mitgefühl in mir auf. Ich erkenne, warum diese Menschen so sind, wie sie gerade sind. Wow, diese Erkenntnis rührt mich gerade zu Tränen.
Ich erkenne den gesunden Verlauf der Lebenswege, die sich auseinander bewegen.
Menschen kommen, manche bleiben, manche gehen. Das ist völlig natürlich.
Und manche Menschen kommen vielleicht genau dafür in mein Leben, damit ich mir meine Klarheit über mich selbst endlich an die Oberfläche spülen kann, sodass sie sichtbar und fühlbar bleibt. Dafür lohnt sich doch jeder Trigger, oder?
Ich klopf’ mir jetzt mal auf meine schöne Schulter und sage mir: Ich bin gut so, wie ich jetzt gerade bin. Einzigartig und auf meinem eigenen wunderschönen Entwicklungspfad. Jeder ist auf seinem eigenen Pfad unterwegs.
Niemand muss jemanden anderen bekehren, belehren, verändern, verbessern, zurecht weisen, beurteilen, sich vergleichen, sich messen, sich ….. ach, ich wiederhole mich.
Ich erlaube mir, mich gut genug zu fühlen in meiner einzigartigen Struktur und wachse weiter in meine wundervolle Essenz hinein, indem ich den inneren Schatz in mir weiter ausgrabe. Für mich gibt es zurzeit keine größere Freude, als das. Ich darf mich endlich vollkommen selbst lieben, wie ich bin. Das klingt kitschig, aber nimm dir diese Aufgabe mal zu Herzen!
Und meine Außenwelt formiert sich passend zu meiner Innenwelt, wie sie es immer tut. Menschen kommen und gehen. Hier darf mehr Nähe entstehen und dort mehr Distanz.
Wie ist es bei dir? Was macht dir zurzeit die größte Freude? Und kannst du dir erlauben, so zu sein, wie du bist in all deiner Einzigartigkeit? Gibt es Menschen, die dich noch triggern? Hast du die Klarheit über dich selbst, die du brauchst, um dich gesund abgrenzen zu können und frei von irritierenden Beziehungen zu sein?
Hast du noch deine Lieblingsrollen, die du nicht loslassen willst oder kannst? Was bliebe übrig, wenn all deine Identifikationen, deine Rollen wegfielen? Wie leer bist du bereits?
Sooo viele Fragen. Such dir eine aus, wenn du magst ;-) Schreib auch gerne in den Chat, was dich bewegt.
Erinnere dich: Das Leben hat dich weiter von deiner wahren Essenz entfernt, als dein Kopf denkt.
Ich umarme dich
deine Olivia
