MEIN KOPF WUSSTE NIX – ABER ETWAS IN MIR WUSSTE – vollständiger Text
Es gibt spannende Experimente, bei denen Menschen körperlich reagieren, bevor sie überhaupt wissen, was gleich passieren wird. Puls, Haut, Nervensystem reagieren Sekunden vor einem Reiz, den sie noch gar nicht bewusst kennen.
Beim Lesen dieser Worte ploppt in mir wie vollautomatisch ein inneres „Ja, so ist es!“ auf. Und gleich hinterher dockt eine wunderbare Erinnerung genau daran an. Es liegt schon über 13 Jahre zurück. Aber es ist bis heute lebendig geblieben.
Dieser Abend im April 2013 ist schon besonders. Ich bin überhaupt nicht müde. Sitze noch bis kurz vor Mitternacht vor meinem PC. Ich nippe an meinem Rotweinglas, stecke mir die letzte Olive in den Mund und blicke auf den Bildschirm. Facebook: Es macht „Pling“, ein Licht leuchtet auf. Richie ist „on“. Er ist nur in meiner Freundesliste. Wir kennen uns nicht wirklich. Sind uns mal flüchtig begegnet.
Doch dieses „Pling“ hallt immer noch in mir nach. Es fühlt sich an wie ein Zeichen, auf das irgendetwas in mir gewartet hat, ohne dass es mir überhaupt bewusst ist. Mein Herz schlägt irgendwie schneller. Eine ungekannte Freude steigt in mir hoch, die mich sofort reagieren lässt.
Während der letzte Käsewürfel auf meiner Zunge liegt, wird alles in mir lebendig. Ich schreibe ihm. Er schreibt sofort zurück. Wie passend! Wie erfreulich! Es entwickelt sich ein schöner Dialog. Plötzlich fragt es aus mir: Hast du morgen Zeit? Unmöglich, mein Kopf schüttelt sich. So ein Quatsch. Plötzlich die nicht erwartete Antwort: Ja!
Mein Herz hüpft irgendeinen Tanz, mit dem ich noch nicht Schritt halten kann. Mein Kopf hat nur noch ein „Tssss“ übrig, bevor er komplett „runterfährt“. Ich fühle mich wie ein Kind, dass zum ersten Mal vor einer Achterbahn steht und freudig entscheidet: Ja, da fahre ich jetzt mit!
Als ich die Treppe zu meinem Schlafzimmer hinauf gehe, spüre ich dieses Dauergrinsen in meinem Gesicht. Stufe für Stufe schreite ich diese Treppe, die ich schon tausend Mal beschritten habe, hinauf, als ob ich eine neue Welt betrete.
Ich halte immer wieder einmal fragend an, weil sich da etwas in mir so freut, dass ich mir nicht erklären kann. Das ist doch übertrieben. Das ist fremd. Da stimmt doch etwas nicht. Mein Kopf versteht nix mehr. Was ist hier los?
Es ist doch kein Date, es ist nur ein Treffen, vielleicht ein schönes Gespräch über ein gemeinsames Thema, ein Kennenlernen. Nichts weiter.
In der Nacht wache ich immer wieder auf. Das Lächeln in meinem Gesicht, ich kann es wieder spüren. Ich kuschle mich in mein Kissen, als würde ich es liebkosen und schlafe wieder ein.
Der nächste Tag fühlt sich schon so anders an. Mein Kopf ist wie gelähmt, als ob da eine Störung auf seiner Festplatte ist. Mein Körper ist lebendig. Er macht sich frisch, macht sich schick, steigt ins Auto und fährt los. Eine halbe Stunde zu früh bin ich am verabredeten Ort. Ha, wer kommt denn da auf mich zu? Richie ist ebenfalls eine halbe Stunde zu früh!
An diesem Tag trafen wir uns. Seitdem sind wir unzertrennlich. Keiner von uns beiden hat das ahnen können, was aus dieser Begegnung so alles entstehen würde.
Jetzt, rückblickend, kann ich schmunzelnd auf so viele Erfahrungen, Abenteuer, gemeinsame Erlebnisse zurück blicken, die ich mir niemals so ausgemalt hätte, geschweige denn, mein Kopf.
Aber zurück zu dem Moment, bevor es zu dieser Begegnung kam: Etwas in mir hat es bereits gewusst. Und bereits einen Tag später konnte ich diese innere Vorfreude und dieses wie fremdgesteuerte Dauergrinsen verstehen.
Denn ich wusste: Es gibt etwas in mir, dass sehr viel mehr weiß als mein Verstand.
Ist es der Körper, der fühlt, bevor der Kopf versteht?
War das meine Intuition? Meine Seele?
Eigentlich ist es nicht wichtig. Ich glaube, der Körper kann sowohl in die eine als auch in die andere Richtung Signale aussenden. In diesem Fall das intuitive Wissen, dass sich durch mein Dauergrinsen und diese innere Freude bereits über meinen Körper Raum verschaffte.
Mein Körper kann genauso mit einer Angst verknüpft sein und mir zitternde Beine und Herzklopfen vermitteln, auch wenn diese Angst nicht real ist bzw. nicht wirklich zu befürchten ist. Ich glaube zumindest, dass mich fast jede Angst in den meisten Fällen eher ausbremst.
Und mein Kopf hält alles, was er zu sehen und zu hören kriegt, für wahr. Er speichert einfach alles ab. Egal, ob ich nur einen Film gucke oder ob ich es tatsächlich erlebe. Darum wähle ich sehr gut aus, was ich ihm zum Abspeichern gebe. Horrorfilme? Nein danke. Nachrichten? Schon lange nicht mehr! Aber das ist ein anderes, wie ich finde, super wichtiges Thema.
Nun, ich habe kapiert: Zeit ist nicht so linear, wie es scheint. Die Zukunft ist bereits da. Und sie ist bereits, wie in diesem Beispiel, für etwas in mir fühlbar. Im Jetzt ist alles da. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind näher beieinander, als der Kopf es glauben will.
Für unser Herz, unsere Seele, unser tiefes Wissen, unser Bewusstsein ist alles eher ein großes Informationsfeld.
Na, kennst du auch solche Momente, in denen du schon etwas wusstest oder fühltest, bevor es eingetroffen ist? Schreib es gerne in den Chat.
Erinnere dich: Du weißt so viel mehr als dein Kopf denkt!
Ich umarme dich von Herzen
deine Olivia
