OLDIES BUT GOLDIES - WIE STIMMIG! – vollständiger Text
Es weht ein recht frischer Wind, nach meiner Empfindung unüblich für diese Zeit, Mitte Mai hier im Süden. Doch der Himmel ist nur von leichten Wolken durchzogen, sodass mich die Sonnenstrahlen angenehm einhüllen.
Ich atme zufrieden tief durch und nippe an einem eisgekühlten Obstsmoothy. Für mein Empfinden zu kalt, aber schmecken tut er trotzdem. Ein neuer schnuckeliger Platz, der noch nicht überfüllt ist – Blick aufs Meer inclusive.
Die Menschen sind gechillt. Das gefällt mir besonders gut. Ich bin auch gechillt.
Nach 3 Tagen Migräne von zu viel Gartenarbeit in einer großen Anlage, die ganz lieben Menschen gehört, die wir kürzlich kennen gelernt haben. Ich genieße wieder diese innere Frische und Schmerzfreiheit. Es ist eine Wohltat und fühlt sich wieder wie ein Neuanfang an.
Und da, plötzlich lausche ich einem Song, den ich schon ewig nicht gehört habe. Ein Song von den 4 BeeGees. Er hüllt mich, wie die Sonnenstrahlen ein, nur anders. Es ist, als ob ich heute eine Extra-Portion des Wohlgefühls geschenkt bekomme.
Es ist, als ob die Zellen in meinem Körper beginnen, freudig zu tanzen, jedoch ohne dass mir eine Erinnerung aus der Vergangenheit eingespielt wird. Ich schweife weder in die Vergangenheit ab, noch wünsche ich mir alte Zeiten zurück. Ich bin voll und ganz da im Hier und Jetzt. Ich bin glücklich.
Ich erinnere mich gleichzeitig an jemanden, der gesagt hat, es sei typisch für diese Matrix, uns auch mit Musik in immer denselben Schleifen zu halten. Eben auch durch die Dauerberieselung bestimmter Lieder aus der Vergangenheit. Manipulation über Musik? Kann schon sein.
Damals habe ich dem zugestimmt. Vor allem, wenn ich an die letzten 2 Monate im Jahr denke, in denen überall hunderte Male George Michael, Gott hab ihn selig, seinen Dauerbrenner aus dem Jahre 1984 zum Besten gibt, damit sich alle noch mehr auf Weihnachten freuen! ;-)
Aber jetzt gerade, in diesem Moment, da fühle ich einfach nur Dankbarkeit, diese alten Songs zu hören. Fast so, als kämen sie aus einer besseren Welt.
Gerade beginnt eine schöne Ballade von Paul Mc Cartney. Keine typischen Songs, die ständig laufen, die jeder Fuzzi kennt. Aber einer, den ich kenne. Es ist Balsam für mich. Besser kann ich es nicht beschreiben.
Die Musik aus den 70ern und 80ern gehört für mich ohnehin zu der besten Musik, die es je gegeben hat. (Ausnahmen ausgenommen!)
Ich finde, alleine der Takt dieser Songs schwingt noch mit dem Herzen. Ob nun 432 Herz, 440 Herz oder nicht. Dieser Rhythmus vieler Balladen und anderer Pop- und Soulsongs war irgendwie anders, wohltuender, gesünder, nach meinem Empfinden.
Und jetzt kommt es mir ein bisschen so vor, als ob ein Teil in mir den Wunsch hegt, das aus den Fugen geratene Heute wieder ein wenig mit den Werten von damals zu verbinden.
Es kommt mir gerade so vor, ohne es besser beschreiben zu können. Kannst du das fühlen? Wenn du Ü50 bist, dann ist es wahrscheinlicher, dass du das auch fühlen kannst.
Ja, ich kenne diesen Spruch: Früher war alles besser. Und dieser Spruch stimmt anscheinend in jeder Generation. Ich hab ihn bisher immer abgelehnt, weil ich gerne Neues begrüße und absolut nicht gerne in alten Mustern und Gewohnheiten fest hänge.
Ich bin hier, um mich zu erinnern, zu entwickeln und dadurch auch ständig zu verändern.
Und ja, die Musik verändert sich auch, von Generation zu Generation. Und sie gibt irgendwie den Zeitgeist wieder, der gerade herrscht. Und doch hat sich diese Hoch-Zeit der 70er- und 80er Musik am meisten durchgesetzt.
Denn egal, ob ich in den Niederlanden, in Spanien, Frankreich oder in Griechenland in einem Café oder in einer Taverne sitze: Es sind fast immer Lieder aus dieser Zeit. Das ist meine Erfahrung. Ich weiß nicht, ob du das auch so bemerkt hast?
Ja, auch heute gibt es gute, schöne Songs. Und ich frage mich, warum mich die Songs von damals teilweise viel mehr berühren als die heutigen. Ich mag jetzt gar nicht von all den KI-Songs reden, die gerade den Markt überschwemmen.
Aber die Songs aus der damaligen Zeit, sie transportieren viel mehr und gehen tiefer. Vielleicht liegt es wirklich daran, dass ich als junger Mensch diese Musik viel intensiver in mich aufgenommen und so in meinem Zellgedächtnis abgespeichert habe.
Es ist vielleicht aber auch das Ergebnis einer Welt, die sich nie gebessert hat. Darum war früher immer „alles besser“! Und darum werden die Songs von früher vielleicht so oft gespielt!
Nein, es liegt an mir selbst, wie ich meine Welt kreiere, wie ich mich verändere, worauf ich meine Wahrnehmung lenke. Ob ich fühle, dass es damals besser war als heute oder ob mein Heute besser ist als damals. Und obwohl ich nie glücklicher war, als heute, trotz dieser krassen Zeiten, gehören diese guten alten Songs in mein Leben, weil sie zu dem passen, was ich fühle.
Es war nie alles besser oder schlechter. Es gab gute Zeiten, schlechte Zeiten. Gute Kompositionen, Ideen, Erfindungen und weniger gute. Warum nicht das Beste für mich finden und damit glücklich sein? Die Kombination, mein Glücklichsein von heute mit der besten Musik von damals zu verbinden, scheint mir gerade sehr passend!
Erinnere dich: Du kannst deine Welt mehr nach deinem Geschmack füllen, als dein Kopf denkt.
Ich umarme dich herzlich
deine Olivia
